Archive: Month 7, Year 2017

Das Scrollrad unter Linux beschleunigen

10.07.2017 yahe administration legacy linux

Wie ich bereits im letzten Artikel beschrieben habe, wechsele ich derzeit zu Linux als mein Hauptbetriebssystem. Leider gibt es dabei immer wieder kleinere Stolpersteine, die die Arbeit mit dem System nervig machen. Eines davon war die absolut träge Scrollgeschwindigkeit innerhalb des Systems. Nicht nur, dass man sich dadurch durch längere Webseiten und Terminalsessions krampfen muss, das System fühlt sich oft einfach lahm und überfordert an.

Auf der Suche danach, diesen Missstand zu beseitigen, wanderte ich natürlich erst einmal in die Systemeinstellungen, die bzgl. der Einstellungsmöglichkeiten der Maus, recht spartanisch ist. Von Themen wir Beschleunigung ist man hier offenbar meilenweit entfernt.

Gnome Mauseinstellungen

Also begann ich damit, mich durch Google zu graben. Als erstes stolperte ich über Beschreibungen zur Nutzung von "xinput". Also fix installiert und per "xinput list" erst nach der ID des Devices gesucht und anschließend per "xinput list-props <DeviceID>" die möglichen Optionen durchforstet. Leider fand ich in der Auflistung nichts, was nach der Scrollgeschwindigkeit aussah oder wenigstens wie etwas, was dem nahe kam, was laut den Foreneinträgen der korrekte Konfigurationswert hätte sein sollen.

Noch gab ich aber nicht auf und suchte weiter. Dabei stieß ich auf das Tool "imwheel", das genau das tun sollte, was ich erreichen wollte. Es funktioniert allerdings nicht out-of-the-Box und die meisten Artikel, die ich zuerst fand, bezogen sich darauf, wie man mit imwheel zusätzliche Maustasten unter Linux zum Laufen kriegt. Erst ein halbwegs neuer Artikel half mir dann tatsächlich weiter. Zuerst einmal muss man imwheel installieren:

sudo apt-get install imwheel

Anschließend muss man eine Konfigurationsdatei namens "~/.imwheelrc" erstellen:

".*"
None,      Up,   Button4, 3
None,      Down, Button5, 3
Control_L, Up,   Control_L|Button4
Control_L, Down, Control_L|Button5
Shift_L,   Up,   Shift_L|Button4
Shift_L,   Down, Shift_L|Button5

Der Wert ".*" sorgt dafür, dass imwheel in allen Anwendungsfenstern aktiv ist. Man kann hier auch alternativ Fensternamen eintragen, um die Funktion von imwheel auf einzelne Anwendungen zu beschränken. Die einzelnen Zeilen sind nun Ersetzungen, die von imwheel durchgeführt werden. "Button4" ist das nach-oben-scrollen der Maus, "Button5" das nach-unten-scrollen. Diese werden hier durch 3-faches Drücken der Up- bzw. Down-Taste ersetzt. Das gleiche geschieht für Situationen, in denen die Ctrl- bzw. Shift-Taste gedrückt wird. Nun muss man diese Ersetzung nur noch aktivieren:

imwheel --kill --buttons "4 5"

Mit "--kill" werden alle bereits laufenden Instanzen von imwheel beendet, damit sich unterschiedlich konfigurierte Instanzen nicht in die Quere kommen können. Die Angabe "--buttons "4 5"" sorgt dafür, dass imwheel sich nur um die Behandlung des Scrollrads kümmert. Man kann über imwheel auch die Scrollrichtung umkehren. Entweder, indem man die oben stehende Konfigurationsdatei umschreibt oder aber, indem man einfach den zusätzlichen Parameter "--flip-buttons" verwendet:

imwheel --kill --buttons "4 5" --flip-buttons

Das ganze funktioniert unter Debian mit Gnome schon ganz gut, aber nur bis zum nächsten Neustart. Um die Änderung dauerhaft einzurichten, muss man noch dafür sorgen, dass imwheel beim Hochfahren aktiviert wird. Hierfür bietet sich an, die Autostart-Funktion von Gnome zu verwenden. Um das zu erreichen, legt man die Datei "~/.config/autostart/imwheel.desktop" an und befüllt diese wie folgt:

[Desktop Entry]
Name=imwheel
Comment=Use imwheel to increase scroll speed
Exec=/usr/bin/imwheel --kill --buttons "4 5"
Terminal=false
Type=Application
X-GNOME-Autostart-enabled=true
X-GNOME-Autostart-Delay=10

Auch hier kann man optional den Parameter "--flip-buttons" verwenden, um die Scrollrichtung umzukehren:

[Desktop Entry]
Name=imwheel
Comment=Use imwheel to increase scroll speed
Exec=/usr/bin/imwheel --kill --buttons "4 5" --flip-buttons
Terminal=false
Type=Application
X-GNOME-Autostart-enabled=true
X-GNOME-Autostart-Delay=10

Ich muss gestehen, dass ich ziemlich genervt bin, dass man halbe Handstände vollführen muss, nur um das Scrollrad zu beschleunigen. 🙄


Emojis unter Linux nutzen

06.07.2017 yahe administration legacy linux

Da Apple sich aus meiner Sicht mit den MacBooks in die falsche Richtung entwickelt, arbeite ich derzeit an einem Soft-Exit aus der macOS-Welt. Da ich sowieso noch einen Tower-PC umher stehen hatte, habe ich mir deshalb gedacht "Warum nicht den ersten Schritt gehen und einen alltagstauglichen Rechner mit Linux bestücken und anfangen, diesen häufiger zu nutzen?".

Genau dabei bin ich gerade. Ich habe mir ein hübsches neues Debian 9 eingerichtet, zwei ordentliche Monitore besorgt und nutze den Desktoprechner nun als Linux-only Haupt-PC. Das klappt soweit auch ganz gut. Eine Sache hat mir als jahrelanger MacBook- und iPhone-Nutzer jedoch gefehlt: Emojis! 😭

Also machte ich mich auf die Suche nach einer Möglichkeit, Emojis zu verwenden. Die meisten Lösungen, die ich gefunden habe, waren jedoch eher suboptimal. Vor allem unterstützte keine davon farbige Emojis in der Auswahlansicht. Und Schwarz-/Weiß-Emojis unterscheiden zu wollen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Glücklicherweise bin ich über diesen Artikel gestolpert, der von einem Emoji-Picker handelt, der zu Ubuntu-14.04-Zeiten für Unity 7 entwickelt worden ist. Glücklicherweise ist der EmojiOne Picker for Ubuntu auch unter Debian 9 mit Gnome lauffähig. Um das zu bewerkstelligen, muss zuerst einmal das aktuelle Release heruntergeladen und entpackt werden. Dieses enthält die Datei "install.sh". Dieser Installer kann als Root aufgerufen werden, um den Emoji-Picker für alle Nutzer zu installieren. Oder aber man startet ihn als normaler Nutzer, damit der Emoji-Picker nur für diesen spezifischen Nutzer installiert wird.

Leider war es bei mir an der Stelle noch nicht getan. Um die Integration in die Oberfläche zu erhalten, nutzt das Tool die Library "AppIndicator 3.0". Um diese zu installieren, muss man erst einmal den korrekten Paketnamen ausfindig machen. Die Installation kann folgendermaßen angestoßen werden:

sudo apt-get install gir1.2-appindicator3-0.1

Nach einem Reboot erhält man nun in der unteren linken Bildschirmecke einen Eintrag für den Emoji-Picker, der sich wunderbar aufklappen lässt, um das passende Emoji rauszusuchen, in Farbe und bunt.

EmojiOne Picker Ubuntu

Leider ist das Tool nicht ganz so komfortabel wie die Emoji-Eingabe bei macOS. Anstatt das Menü über eine Tastenkombination aufzurufen, muss man händisch mit der Maus in den Bildschirmbereich fahren. Und im Gegensatz zu macOS wird das gewählte Emoji lediglich in die Zwischenablage kopiert, anstatt direkt ins aktive Textfeld geschrieben zu werden. Aber zumindest scheint es erst einmal besser zu sein, als alles, was ich bisher sonst so unter Linux gesehen habe. Leider.


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