RunAs für normale Dokumente anwenden

20.01.2010 yahe

Hannes hat letztens das Tool CPAU vorgestellt, das im Grunde genauso funktioniert, wie das Windows-interne runas-Programm. Wer dessen Funktionalität nicht kennt: Es ist dazu da, um eine Anwendung mit den Rechten eines anderen Benutzers ausführen zu können.

Nun ist bei ihm das Problem aufgetreten, dass es ihm nicht möglich war, MSP-Dateien auszuführen. Grund hierfür ist, dass es sich bei MSP-Dateien nicht um echte, ausführbare Dateien handelt, sondern um Dokumente - also im Grunde wie Bilddateien.

Wenn ihr sehen wollt, was Windows im Hintergrund macht, wenn ihr ein Dokument doppelt anklickt, könnt ihr folgendes machen:

  1. Drückt die Tastenkombination Windowstaste+R. Es öffnet sich das Ausführen-Fenster.
  2. Gebt in dem Fenster "regedit" ein und drückt Enter. Es öffnet sich der Registry-Editor.
    Ausführen-Dialog
  3. Öffnet unter "Arbeitsplatz" den Baum "HKEY_CLASSES_ROOT". Darunter findet ihr eine Liste aller Dateiendungen.
    HKEY_CLASSES_ROOT
  4. Öffnet nun den Eintrag einer Dateiendung - zum Beispiel ".jpg". Ihr seht ein paar Unterelemente.
    .jpg Knoten
  5. Guckt, ob es den Unterbaum "shell/open/command" gibt.
    Falls ja: Macht weiter mit Punkt 8.
    Falls nein: Macht weiter mit Punkt 6.
  6. Klickt den aktuellen Baumeintrag (z.B. ".jpg") an, dieser sollte einen Wert "(Standard)" beinhalten. Der darin gespeicherte Wert ist ein Platzhalter.
    .jpg-(Standard)-Wert
  7. Sucht einen Baumeintrag, der dem Namen des Platzhalters entspricht. Die Platzhalter dienen dazu, dass mehrere Dateiendungen sich genau gleich verhalten (z.B. ".jpg" und ".jpeg").
    jpegfile Knoten
  8. Öffnet nun den Unterbaum "shell/open/command". Dieser Knoten bestimmt, was geschehen soll, wenn eine Datei dieses Typs geöffnet werden soll.
    shell/open/command Knoten
  9. Seht euch nun den Wert "(Standard)" an. Dieser beinhaltet den tatsächlich ausgeführten Befehl zu einer Dateiendung (z.B. bei einem Doppelklick). Der Platzhalter "%1" wird bei der Ausführung mit dem entsprechenden Dateinamen ersetzt. Einige Dateitypen (z.B. MSI-Dateien) können zusätzliche Parameter erhalten. Diese können mit dem Platzhalter "%*" übergeben werden.
    shell/open/command-(Standard)-Wert

(Für diejenigen unter euch, die gerne experimentieren: Lasst die Finger von dem Knoten "exefile"! Wenn ihr diesen unbedarft ändert, zerschießt ihr euch das ganze System. Um das dann wieder gerade zu biegen, müsst ihr remote den entsprechenden Registry-Hive mounten und den Registry-Eintrag reparieren.)

Nach diesem kleinen Exkurs kommen wir nun zurück zum Thema: Das Problem, weshalb die runas-Programme diese MSP-Datei nicht öffnen können, liegt darin, dass sie versuchen, die Datei direkt auszuführen - dabei müssten sie jedoch erst nachgucken, mit welchem Programm die Datei geöffnet werden muss! Hierfür habe ich ein kleines Testprogramm mit dem Namen "execute" geschrieben: Es macht nicht viel, sondern öffnet eine angegebene Datei einfach anhand des Befehls, der dort in der Registry hinterlegt ist. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Programm, ein Bild oder etwas anderes handelt.

program execute;

uses
  Windows,
  SysUtils,
  ShellAPI,
  ActiveX;

var
  VCOMCode    : HRESULT;
  VIndex      : Integer;
  VParameters : String;
  VReturnCode : Cardinal;

begin
  ExitCode := 0; // application terminated successfully

  if (ParamCount > 0) then
  begin
    VParameters := '';
    for VIndex := 2 to ParamCount do
      VParameters := VParameters + '"' + ParamStr(VIndex) + '" ';
    Delete(VParameters, Length(VParameters), 1); // trim last space character

    VCOMCode := CoInitializeEx(nil, COINIT_APARTMENTTHREADED or COINIT_DISABLE_OLE1DDE);
    if ((VCOMCode = S_OK) or (VCOMCode = S_FALSE)) then
    begin
      try
        VReturnCode := ShellExecute(0,                                       // hwnd,
                                    'open',                                  // lpOperation,
                                    PAnsiChar(ParamStr(1)),                  // lpFile,
                                    PAnsiChar(VParameters),                  // lpParameters,
                                    PAnsiChar(ExtractFilePath(ParamStr(1))), // lpDirectory,
                                    SW_SHOWNORMAL                            // nShowCmd
                                   );

        if (VReturnCode <= 32) then
          ExitCode := 100 + VReturnCode; // file could not be executed
      finally
        CoUninitialize();
      end;
    end
    else
      ExitCode := 2; // COM could not be initialized
  end
  else
    ExitCode := 1; // file was not provided
end.

Die Verwendung der Anwendung ist super einfach: Ihr ruft das Programm einfach mit dem Pfad der auszuführenden Datei als ersten Parameter auf - alle weiteren Parameter werden an die Datei als weitere Parameter übergeben. Im folgenden Beispiel wird z.B. die Kommandozeile mit den Rechten des Administrators aufgerufen, Google angepingt und die Kommandozeile danach offen gehalten. Bitte beachtet, dass der gesamte Aufruf mit allen Parametern für das aufgerufene Dokument in einem Parameter an runas übergeben werden muss! Sollte es nötig sein, Anführungungszeichen für die eigentlichen Parameter zu benutzen, so müssen diese mit einem Backslash escaped werden. Seht euch den Parameter \"google.de\" als Beispiel an.

runas /user:Administrator "execute cmd /K ping \"google.de\""

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Ausflug in die Welt der Dateitypen gefallen und ihr habt ein bisschen was darüber gelernt, wie Windows eure Dateien intern behandelt.

Cheers, Yahe


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